TALIS | Studie zu Arbeitsbedingungen für Lehrer/innen und Lernumfeldern für Schüler/innen

19-05-2010 10:28 von Paul Kral (Kommentare: 0)

 Internationale Studien

Ausgesuchte Themen und Forderungen der Expertinnen und Experten aus dem aktuellen BIFIE-Report zu TALIS 2008:

(1) Der Erfolg einer Schule hängt mit der erfolgreichen Gestaltung des Arbeitsplatzes Schule durch Schulleiter/innen (und Lehrpersonal) zusammen

Auf die Vorbildwirkung der Schulleitung und der Lehrpersonen weißt Univ. Prof. Dr. Ferdinand Eder, Erziehungswissenschafter an der Universität Salzburg, hin: „Erfolgreiche Schulen zeichnen sich dadurch aus, dass bestimmte, wenige Grundwerte eingehalten werden, und zwar reziprok. Das sind Grundwerte wie Respekt und Höflichkeit im Umgang zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler (…). Wenn es einem Lehrkörper gelingt, das einheitlich zu signalisieren, dann ändern sich auch die Schülerinnen und Schüler“.

Die Schulleitung sowie die Lehrer/innen fördern diszipliniertes Verhalten von Schüler/innen, wenn sie selbst gut miteinander kooperieren und die Schulleitung sich für die pädagogischen Prozesse in ihrer Schule verantwortlich fühlt.
Nach Meinung Eders kann eine Vorbildwirkung nur von jenem Lehrpersonal ausgehen, das für den Beruf geeignet ist. „… ein weiterer wichtiger Beleg, dass man darauf achten muss, dass nur pflichtbewusste, professionelle, engagierte Leute Lehrerinnen und Lehrer werden. Das unterstützt die Bemühungen, dass man vor dem Eintritt in das Lehramtsstudium Maßnahmen zur Eignungsabklärung und Bewährungsmaßnahmen setzt“, so Eder resümierend.

(2) Fortbildung muss auf den Schulstandort abgestimmt und langfristig konzipiert werden

„Mein Eindruck ist eher, dass die relativ geringe Nutzung von langfristigen Fortbildungsangeboten einfach mit dem damit verbundenen Aufwand zusammenhängt. Und das hat für mich mit der Vorstellung von Arbeitszeit zu tun, die Lehrpersonen haben: Wenn Lehrkräfte immer das Gefühl haben, dass alles, was nicht im Unterricht sei, ihre wertvolle Freizeit belaste.“, meint Univ. Prof. Dr. Johannes Mayr, Professor für Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung an der Universität Klagenfurt.

Fortbildung ist in vielen Fällen noch wenig auf den einzelnen Schulstandort abgestimmt. Das österreichische Anbietersystem fördert einerseits stärker das individuelle Melden von einzelnen Lehrpersonen zu spezifischen Fortbildungsangeboten, weniger das Erstellen schulinterner Fortbildungspläne. Andererseits werden eher punktuelle und kurze Fortbildungsangebote angenommen als langfristige und damit nachhaltige.

(3) Echte Schulautonomie und eine Qualitätsentwicklung bedarf eines größeren Handlungsspielraums in personeller und budgetärer Hinsicht für die Schulleiter/innen

„Sie können sich die Lehrerinnen und Lehrer nicht aussuchen, sie bekommen nicht das Budget, das sie eigentlich brauchen für das, was sie leisten sollen. Sie haben einerseits eine hohe Verantwortung, nämlich Schule und Unterricht zu entwickeln, aber wenig, das sie dafür ausstattet. Große Einschränkung im Handlungsspielraum und wenig Förderung von Unternehmensgeist – es wird eher unterlassen als unternommen“, sagt Univ. Prof. Dr. Michael Schratz, Bildungswissenschafter an der Universität Innsbruck.

Österreich gehört im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern, was die Budgetautonomie von Schulen betrifft. Von allen untersuchten Ländern ist nur in Mexiko der finanzielle Spielraum der Direktorinnen und Direktoren kleiner.

Schratz attestiert den österreichischer Direktorinnen und Direktoren eine schwache Stellung als Leiter einer Schule: „Schulleiterinnen und Schulleiter haben wenig Entscheidungsmacht und fühlen sich zum Teil ohnmächtig. (…). Das zweite Problem ist, dass Lehrpersonen nicht erwarten, dass Schulleiterinnen und Schulleiter, die andere Fächer unterrichten, überhaupt die Kompetenz mitbringen, sie professionell zu unterstützen.“

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